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Haltungsbedingungen für Froschwelse

Es werden hier bei uns immer mehr Anfragen gestellt zum Froschwels (Clarias batrachus).
Anscheinend ist dieser Exot als Zierfisch weiter verbreitet als angenommen.

Wir sind ebenfalls voll und ganz von ihm begeistert, da er für unsere Verhältnisse ein interessanter und relativ kleiner Versuchsfisch ist.

Klein ist hier wirklich relativ zu betrachten, da wir ihn im direkten Vergleich zu seinem als Speisefisch mittlerweile in Deutschland und den Niederlanden eingeführten Verwandten Clarias gariepinus (“Afrikanischer Wels”) sehen.

Der Froschwels wird laut Literatur max. 60 cm lang (Courtenay and Miley, 1975; Hensley and Courtenay, 1980), unter Bedingungen der Hobby-Aquaristik erreicht er dagegen nach unseren Erfahrungen lediglich ca. 40 cm (+/- 5 cm), sein afrikanischer Vetter dagegen kommt auf ca. 120 cm, wird allerdings mit einer Vermarktungsgröße von ca. 70 cm geschlachtet (der Grund für seine Verbreitung als Speisefisch, obwohl die kleinere Art bessere Fleischqualitäten aufweist).

Beide Fischarten können von den Haltungsbedingungen abhängig die jeweils angestrebte Endgröße bereits in wenigen Wochen (i.d.R. nach ca. 5 Monaten) erreichen.

Optimierte Haltungsbedingungen finden sich z.B. in der üblichen Kreislauf-Aquakultur, diese zeichnen sich durch optimale Wasserqualität, eine hohe Temperatur (ca. 27°C) und zweckdienliche Fütterung in Qualität und Quantität aus.

Mit Ausnahme der Temperatur, welche insbesondere den schnellen Zuwachs bedingt und mind. 20°C betragen soll, sind diese Erkenntnisse selbstverständlich auch in der Hobbyhaltung anzusetzen.

Zunächst sollte sich ein Fischhalter die Frage stellen, ob er genug Platz hat, es ist grundsätzlich fraglich ob ein ca. 40 cm großer Fisch überhaupt in einem Aquarium gehalten werden kann.

Dies ist möglich, allerdings nicht unter einer Beckengröße von 200 X 60 X 60 cm, die wir aufgrund eigener Erfahrungswerte als Minimum für ausgewachsene Fische ansetzen müssen.

Gerade von der “quirrligen Niedlichkeit” kleiner Jungtiere, die im Handel angeboten werden, sollte sich ein verantwortungsbewusster Pfleger nicht verführen lassen.

Kleine Clarias:

Clarias Groesse Klein Mittel in Haltungsbedingungen für Froschwelse

“Großer Clarias”:

Clarias Eimer in Haltungsbedingungen für Froschwelse

Beim Aquarium bleibt noch die Frage offen wieviele Fische besetzt werden können.

Es ist unter entsprechendem Filter- und Wasserwechsel-Regime durchaus möglich mit leichten Wachstumseinbußen in einem 2m-Becken (200X60X60cm) bis zu 20 Tiere zu halten, allerdings ist dieses für den Anfänger ohne einen besonderen Zweck nicht sinnvoll. Wer seine Fische zum Laichen bringen will (vgl.: Zur Zucht von Froschwelsen), hat es sicher einfacher mit weniger Besatz, dennoch ist die Frage berechtigt ob ein höherer Besatz nicht artgerechter ist.

Van de Nieuwegiessen (2009) belegt bei Clarias gariepinus, daß in einer hochbesetzten Intensivhaltung weniger Stress für das Einzeltier entsteht als bei geringer Besatzdichte.

Beim Froschwels lies sich für uns ebenfalls beobachten, daß sich z.B. Kommentkämpfe zwischen 2 Fischen sich unter vielen schnell auflösten.

Zu bedenken ist auch der Stress für andere Fische, eine größere Anzahl von Clarias-Welsen bedeutet ggf. erheblichen Stress bei der Fütterung und wenn die Welse zum Luftholen aufsteigen (vgl.: Die Atmung beim Froschwels).

Wer sich von der Fütterung bei (extrem) hohen Besatz ein Bild machen will, kann hier ein Video aus einer Zuchtfarm sehen:

>>> Effective system to grow catfish bei Youtube

Bei Haltungsversuchen von 10 Oscars und 17 Welsen, konnte leicht erkannt werden, daß in den genannten Situationen die Umstände für die Oscars nicht optimal waren.

Bei einem intensiveren Besatz mit Froschwelsen, sollte daher überlegt werden, diese unter sich in einem Artbecken zu halten!

Als kleine Jungfische sind die Froschwelse sehr schwimmfreudig, mit zunehmenden Alter verlieren sie diese Eigenschaft und liegen mit Ausnahme bei Balz- oder Revierverhalten gerne in Unterständen oder auch im freien Bodenbereich. Für Unterstände, die in genügender Menge vorhanden sein sollten, eigenen sich besonders gut im Baumarkt erhältliche “Weinsteine” (s. Bilder), dort liegen die Fische oft zusammengedrängt.

Das Aquarium muss unbedingt abgedeckt werden, damit es den Fischen nicht ermöglicht wird das Wasser zu verlassen (vgl.: Fliehende Froschwelse), eine Haltung im Gartenteich während warmer Sommermonate ist ebenfalls möglich (s. Froschwelse : Haltung im Gartenteich).

Beim Wasserwechsel ist darauf zu achten, daß keine großen Temperaturschwankungen auftreten (+/- 2 °C), bei entsprechenden Versuchen zeigten die Froschwelse ggf. erheblichen Stress durch länger andauernde Nahrungsverweigerung, welche gerade bei dieser Fischart recht untypisch ist.

Bei der Nahrung, welche in der Natur hauptsächlich aus Insekten besteht, ist ein hoher Fischprotein-Anteil sehr vorteilhaft, die Welse sollen aber auch in der Lage sein pflanzliche Anteile gut zu verdauen (s. Froschwelse sind auch Pflanzenfresser).
Ihr Rohprotein-Bedarf liegt bei ca. 40%, bei einer Energieversorgung von 13-17 kJ/g (Van Weerd, 1995).

Weitere Infos unter: Clarias

Autor: FIBERI
Datum: Dienstag, 7. April 2009 17:37
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Zierfischhaltung

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Ein Kommentar

  1. 1

    Es ist unter entsprechendem Filter- und Wasserwechsel-Regime durchaus möglich mit leichten Wachstumseinbußen in einem 2m-Becken (200X60X60cm) bis zu 20 Tiere zu halten, allerdings ist dieses für den Anfänger ohne einen besonderen Zweck nicht sinnvoll.
    [...]
    dennoch ist die Frage berechtigt ob ein höherer Besatz nicht artgerechter ist.

    Van de Nieuwegiessen (2009) belegt bei Clarias gariepinus, daß in einer hochbesetzten Intensivhaltung weniger Stress für das Einzeltier entsteht als bei geringer Besatzdichte.

    Beim Froschwels lies sich für uns ebenfalls beobachten, daß sich z.B. Kommentkämpfe zwischen 2 Fischen sich unter vielen schnell auflösten.

    Zu bedenken ist auch der Stress für andere Fische, eine größere Anzahl von Clarias-Welsen bedeutet ggf. erheblichen Stress bei der Fütterung und wenn die Welse zum Luftholen aufsteigen (vgl.: Die Atmung beim Froschwels).

    Hinsichtlich der grundsätzlichen Naivität von Zierfischhaltern, ist dieser Absatz leicht missinterpretierbar. Er stellt keinen “Freibrief” dar die Fische im Überbesatz zu halten, vielmehr stellt er in Frage, daß die Wissenschaft gewisse Umstände noch nicht erklären kann.

    Die Haltung im Überbesatz beim Afrikanischen Wels (C. gariepinus) und daraus anscheinend resultierender Stressreduktion ist insbesondere in dem Zusammenhang zu sehen, daß die Tiere ihre Geschlechtsreife und damit verbundene anhaltende Revierkämpfe erst gar nicht erleben, da sie vorher schon geschlachtet werden.

    Beim Froschwels zeigen sich sehr schnell Territorialansprüche bei jedem Männchen, sobald der Raum dafür gegeben ist, alleinig um dieses Verhalten zu unterdrücken einen dauerhaften Überbesatz zu schaffen ist nicht zuletzt aufgrund der Vorenthaltung einer Bedürfnisgerechtigkeit tierschutzwidrig, ausserdem langfristig betrachtet sicherlich nicht gesundheitsfördernd.

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